Energetische Sanierung des Wohnbestands
Bestehende Gebäude zu sanieren – und damit im Hinblick auf den Wärmeschutz auf den neuesten Stand zu bringen – ist wesentlich ressourceneffizienter als der Neubau. Wir zeigen Ihnen hier, warum das so ist und welche Maßnahmen zu erheblichen Einsparungen führen.
75 Prozent der 17,3 Mio. Wohngebäude in Deutschland wurden vor 1979 errichtet und damit in weiten Teilen vor der Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung 1977, die erstmalig Anforderungen an die Dämmung von Gebäuden stellte.
Daraus folgt, dass bei Gebäuden mit Baujahr 1977 und älter keine besonderen Vorkehrungen für die Isolierung der Gebäudehülle getroffen wurden und die Raumwärme sehr leicht entweichen kann. Diese Gebäude auf den aktuellen wärmschutztechnischen Standard zu bringen, ist deutlich ressourceneffizienter als Neubauten zu errichten.
Ein wesentlicher Faktor dabei ist auch die Steigerung der Energieeffizienz. Hier spielt der Gebäudebestand eine ganz erhebliche Rolle. Denn: Ein Drittel des deutschen Endenergiebedarfs entfällt auf Heizung und Warmwasserbereitung. Und die Fakten sprechen für sich:
- Eine Dämmung der Gebäudehülle erlaubt weit mehr als die Halbierung des Energieverbrauchs.
- Weitere Einsparungen von bis zu 60 Prozent ergeben sich durch eine neue Heizungsanlage.
- Werden zusätzlich noch erneuerbare Energien, z. B. durch eine Wärmepumpe oder Solarthermieanlage, integriert, können gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und der CO₂-Ausstoß reduziert werden.
Ressourceneffizienz in der Sanierung
Die energetische Sanierung stellt einen sehr effizienten Einsatz von Ressourcen dar, wie die Energiebilanz einer Außenwanddämmung beispielhaft illustriert. Dazu wurden zwei Parameter gegenübergestellt: die Energie zur Herstellung des Dämmstoffs sowie die Energieeinsparung während der Nutzungsphase.
Als Dämmmaterial wurde Expandiertes Polystyrol (EPS), besser bekannt unter dem Markennamen Styropor®, gewählt, da seine Herstellung deutlich mehr Energie verbraucht als die vieler anderer Dämmstoffe.
Energiebilanz der Dämmstoffe
Die Energiebilanz wurde für eine variable Dämmstoffdicke von 0-50 cm für Nutzungsdauern von 1 bzw. 30 Jahren aufgestellt.
Bei einer Nutzungsdauer von 30 Jahren hingegen – das entspricht einem realistischen Nutzungsszenario – überwiegt die Energieeinsparung im Gegensatz zum Herstellungsaufwand bei Weitem.
Die Nutzungsdauer von 30 Jahren stellt dabei immer noch eine konservative Annahme dar, da mit Blick auf die Haltbarkeit der Dämmung auch eine deutlich längere Verwendung möglich wäre – und damit der Energieeinsatz über die gesamte Lebensdauer weit überkompensiert wird.
Energieverbrauch Dämmstoffe
Diese Betrachtung zeigt, dass die minimale Ressourceninanspruchnahme nicht durch den sparsamen Einsatz von Dämmmaterial, sondern durch die Optimierung in Richtung minimaler Energieverbrauch über die Nutzungsdauer erzielt wird. Als zukunftsweisende Technologie bietet sich hierfür der Passivhaus-Standard an.
Entwickelt man dieses Konzept zum materialeffizienten Passivhaus weiter, lässt sich die Energieeffizienz noch vergrößern: durch die Wahl von Dämmstoffen mit einem geringen Herstellungsenergieaufwand.
RE-Parameter Dämmstoffe
Neben der Herstellungsenergie sind für die Ressourceneffizienz der Dämmstoffe weitere wichtige Parameter zu betrachten:
- die Rohstoffart,
- die CO₂-Emission bei der Herstellung sowie
- die mögliche Entsorgung.
Vor dem Hintergrund des großen Sanierungsbedarfs ist es wichtig, zukünftig auch die Ressourceneffizienz der verwendeten Materialien und Systeme detailliert zu untersuchen. So lässt sich der Nutzen von Sanierungsmaßnahmen weiter maximieren.
Ausblick
Aufgrund der enormen Energieeinsparpotenziale und der Bestrebung nach einer massiven Reduktion des CO₂-Ausstoßes erscheint die aktuelle jährliche Sanierungsquote von ein Prozent des Gesamtgebäudebestands absolut unzureichend.
Eine Erhöhung auf mindestens 2 Prozent wäre hier erstrebenswert. Damit könnte der Endenergiebedarf für Hauswärme von 549 Mrd. kWh (2008) auf 340 Mrd. kWh in 2030 reduziert werden. Gleichzeitig würden die CO₂-Emissionen um ca. 40 Prozent verringert. Bei einer 1-prozentigen Sanierungsquote fiele die Reduktion auf 405 Mrd. kWh deutlich geringer aus.
Eine Erhöhung der Sanierungsquote hätte dabei nicht nur positive Auswirkungen auf den Primärenergiebedarf und die CO₂-Emissionen, sondern auch einen nicht zu vernachlässigenden arbeitsmarktpolitischen Aspekt.
Allein für die Verbesserung des Wärmeschutzes bei einer 2-prozentigen Sanierungsquote wird ein Investitionsvolumen von bis zu 740 Mrd. € bis 2030 prognostiziert.




