Die wichtigsten Begriffe rund um Ressourceneffizienz

zum Glossar

Praxistest Passivhaus

Neubau von fünfgeschossigen Passivhäusern in Holzbauweise

Auf dem Gebiet des „Alten Schlachthof“ in Berlin wurden drei fünfgeschossige Stadthäuser in Holzbauweise geplant. Errichtet hat sie die Baugruppe „Zur Börse GbR“ unter Leitung des Berliner Bauingenieurs Frank Müller.

Der Alte Schlachthof befindet sich auf der Grenze der beliebten Berliner Bezirke Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Nach dem Ende seiner Nutzung wurde das 50 Hektar große Gelände in den letzten zehn Jahren städtebaulich neu entwickelt. Dadurch entstand auf den ehemals gewerblich genutzten Flächen im Zuge der innerstädtischen Verdichtung ein attraktives Wohngebiet.


Energieeffizienz durch Passivhaus-Standard

Die Passivhäuser sind hinsichtlich Komfort und Energieeffizienz im Rahmen der heute wirtschaftlich nutzbaren Haustechnik optimiert. Eine hochwärmegedämmte äußere Hülle mit dreifachverglasten Passivhausfenstern und Edelgasfüllung im Scheibenzwischenraum sowie gedämmten Rahmen minimiert die Wärmeverluste. Alle Wände wurden zudem mit einem zukunftsweisenden U-Wert von 0,087 W/m²K konstruiert.

Die kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung verhindert Lüftungswärmeverluste. Für den Restwärmebedarf machen Wärmepumpen die solare Erdwärme nutzbar. Über diese kann auch im Sommer eine Kühlung der Raumluft erfolgen. Zusätzlich wurden auf den Dachflächen Photovoltaik-Anlagen geplant.

Nach oben


Tragkonstruktion aus Holz

Holz zeichnet sich als ressourcenschonender Rohstoff aus, da er nachwachsend und CO₂-neutral ist. Mit Ausnahme des Treppenhausturms wurde er in den Obergeschossen konsequent für alle tragenden Wände und Decken verwendet. Für das Erdgeschoss war eine Massivbauweise (Mauerwerkswände und Stahlbetondecke) erforderlich, da ursprünglich eine gewerbliche Nutzung vorgesehen war, die nun teilweise durch Wohnen ersetzt wird.

Aus Brandschutzgründen musste das Treppenhaus aus einem nicht-brennbaren Baustoff erstellt werden. Hier fiel die Wahl auf Stahlbetonfertigteile. Diese Konstruktion des Treppenhauses wurde im Tragwerkskonzept gleichzeitig für die Aussteifung genutzt – es dient als Aussteifungskern und ersetzt so weitere vertikale Aussteifungselemente. So ist eine sehr freie Anordnung der Grundrisse und Fensteröffnungen möglich.

Neben dem geringen Eigengewicht des Holzes ermöglichte dieser Kern außerdem eine dünnere Gestaltung der Holzwände (zwischen 10 und 14 cm). Trotz des hohen Dämmvermögens sind die Außenwände damit nicht dicker als 50 cm. Insgesamt wurden rund 400 m³ Holz als Hauptwerkstoff und weitere rund 500 m³ Holzwerkstoffplatten verbaut. Darüber hinaus fungieren die Holzbauelemente während der Nutzungsphase des Gebäudes als CO₂-Speicher.

Holz bietet ein weiteres Plus: die hervoragende Eignung für die Vorfertigung und damit eine Minimierung der Bauzeit. In der Bauphase konnte so pro Woche ein Geschoss errichtet werden. Damit war es möglich, dass nach Baubeginn im März 2009 bereits im April 2010 die ersten Bewohner in ihr neues Zuhause einzogen. Dies führte zu einer Schonung der finanziellen Mittel, da die Bauherren nur für eine kurze Zeit die Doppelbelastung aus Miete und Finanzierungskosten schultern mussten.

Mehr zur Ressourceneffizienz von Tragkonstruktionen

Nach oben


Reduktion der Flächeninanspruchnahme

Durch eine Umnutzung des Areals konnte die Inanspruchnahme von neuen Siedlungsflächen vermieden werden. Im Vergleich zu der angrenzenden Bebauung mit Reihenhäusern ermöglichen die fünfgeschossigen Stadthäuser eine deutlich intensivere Ausnutzung des Grundstücks. Das Konzept "Wohnen auf zwei Etagen" innerhalb der Häuser liefert ein Wohnqualität, die mit der von Einfamilienhäusern vergleichbar ist.

Nach oben


Adaptierbarkeit an Wohnbedürfnisse

Da Bauen einen hohen Ressourceneinsatz fordert, ist es wichtig, diese Ressourcen möglichst lange zu nutzen, also die Lebensdauer eines Gebäudes zu maximieren.

In Anbetracht sich wandelnder Wohnbedürfnisse ist dies nur über eine Flexibilität in der Nutzung möglich: Die drei Stadthäuser wurden so konzipiert, dass die Wohnungen sowohl geschossweise als auch in der Ebene „schaltbar“ sind. Dadurch ist es möglich, zu einem späteren Zeitpunkt Wohnungen zu trennen oder zu verbinden.

Aufgrund der alternden Gesellschaft wird in Zukunft Barrierefreiheit immer wichtiger werden:
Alle Ebenen, auch der doppelgeschossigen Wohnungen, sind mit dem Aufzug erreichbar. Die Haustüren wurden mit elektrischen Öffnern ausgestattet, damit auch Rollstuhlfahrer ungehinderten Zugang haben.

Nach oben

Ihr Ansprechpartner

FB Bau

Tel: +49 (0)30 2759506-0

E-Mail: bau(at)vdi-zre.de