Ressourceneffizienz des Tragwerks
Für die Ressourceneffizienz eines Neubaus spielt die Tragkonstruktion aufgrund ihres mengen- und gewichtsmäßigen Anteils eine zentrale Rolle. Während sie bei der Sanierung in den allermeisten Fällen unangetastet bleibt oder nur minimale Veränderungen erfährt, ist sie beim Neubau – von den Fundamenten bis zum Dachstuhl – komplett durchzuplanen und zu errichten.
RE am Beispiel einer Stütze
Der Ressourceneinsatz für Tragwerke aus Holz, Stahlbeton und Stahl lässt sich gut am Beispiel einer 3 m hohen Stütze veranschaulichen, die neben ihrem Eigengewicht mit einer Last von ca. 10 Tonnen belastet wird. Folgende RE-Kriterien werden betrachten:
- Energieaufwand,
- CO₂-Emission,
- Rohstoffart,
- Entsorgung.
Eine detaillierte Darstellung der Herangehensweise finden Sie in Kürze hier.
Energieaufwand + CO₂-Emission des Tragwerks
Die Werte für den Energieaufwand und die CO₂-Emission bei der Herstellung unterscheiden sich je nach Material sehr stark:
Bei Holz ergibt sich eine negative CO₂-Emission, da während des Baumwachstums der Atmosphäre CO₂ entzogen wird, welches über die Nutzungsdauer im Holz gespeichert bleibt.
RE im Vergleich
Kennzeichnet man einen geringen Ressourcenverbrauch mit grün, einen mittleren mit gelb und einen hohen mit rot so ergibt sich folgende Klassifizierung:
Ressourceneffizienz von Holz
Holz zeigt sich klar als ressourceneffizienter Baustoff (s. auch Praxis: Passivhaus). Zwei weitere Punkte wirken sich zusätzlich positiv aus: das geringe Eigengewicht sowie die lokale Verfügbarkeit.
Das geringe Eigengewicht von Holz führt zu niedrigeren Lasten und damit zu einem reduzierten Materialbedarf für die Tragkonstruktion. Außerdem ermöglicht es stellenweise die Aufstockung bestehender Gebäude und damit eine Reduktion der Flächeninanspruchnahme für Neubaugebiete.
Holz ist lokal verfügbar, die Transportwege sind kurz. Zudem sind die Sicherung einheimischer Arbeitsplätze sowie eine Reduzierung der Abhängigkeit von Rohstoffimporten starke Argumente für den Rohstoff.
Ressourceneffizienz von Stahlbeton und Stahl
Eine Möglichkeit, die Ressourceneffizienz von Stahlbeton und Stahl zu steigern, ist die Verwendung höherfester Güten, wodurch der Materialeinsatz reduziert werden kann. Großes Potenzial bei der Betonherstellung bietet auch die Verwendung von Recycling-Zuschlägen, die aus Abbruchmaterial gewonnen werden. Unter Anwendung der technischen und normbedingten Grenzen und der zu erwartenden regionalen Stoffflüsse könnten hierdurch im Jahr 2020 4,1 Mio. m³ natürlicher Gesteinskörnungen pro Jahr eingespart werden.
Entsorgung des Tragwerks
Nach seiner Nutzung wird Bauholz einer stofflichen oder thermischen Verwertung zugeführt, Baustahl wird nahezu vollständig recycelt. Bei beiden Stoffen kann man demnach von einer ressourcenschonenden Entsorgung sprechen.
Stahlbeton hingegen wird neben dem Recycling auch der Deponierung zugeführt. Problematisch ist auch, dass das Recycling in vielen Fällen allenfalls als Downcycling eingestuft werden kann, also als Wiederverwertung von deutlich niedrigerem Wert, etwa im Straßenbau. Technologisch stehen dabei bereits heute deutlich bessere Verwendungsmöglichkeiten z. B. als RC-Zuschlag für Betone, zur Verfügung. Im Sinne der Nachhaltigkeit muss darauf hingearbeitet werden, in Zukunft ein qualitativ hochwertiges Recycling von Beton einzuführen.


